Man glaubt es kaum, aber nach dem Relotius-Skandal kann es mit dem Spiegel noch weiter abwärts gehen und geht es abwärts, in rasantem Tempo. Das hier ist sein neues Titelblatt:

Wir haben einen Präsidenten Trump in seinem Büro, brennendes Streichholz in der Hand, und dahinter die Verdammten dieser Erde beim Demonstrieren und eine brennende Stadt. Titel: „Der Feuerteufel“. Untertitel: „Ein Präsident setzt sein Land in Brand“.
Der gemachte Vorwurf ist wörtlich genommen natürlich Unsinn. Brandstiftung fand letztes Wochenende viel statt, aber offensichtlich nicht durch den Präsidenten. Übertragen genommen ist der Vorwurf mindestens zweifelhaft. Trump hat vielfach sein Mitgefühl gegenüber Gorge Floyd zum Ausdruck gebracht – wohl nicht mehr oder weniger glaubhaft als bei einem anderen Politiker, der einen Text seines Redenschreibers vorliest, wie das Präsidenten so machen. Er hat gefordert, dass die Brandstiftung aufhören solle, und in Aussicht gestellt, dafür nötigenfalls die Truppe einzusetzen, ohne dass das tatsächlich passiert wäre, vom Bundesterritorium DC abgesehen. Im Grunde fiel der Präsident vorwiegend durch Untätigkeit auf, wobei der Umgang mit Krawallen auch zunächst einmal Sache der Einzelstaaten ist.
Überhaupt fehlt dem Vorwurf die Logik, wenn man ihn den üblichen Erklärungen für die Ausschreitungen entgegenstellt. Nimmt man den unmittelbaren Anlass, dann war das der Tod Floyds während einer Festnahme durch Beamte der Polizei von Minneapolis, einer kommunalen Behörde, auf die der Präsident keinen direkten Einfluss hat. Nimmt man als tiefergehenden Grund eine jahrhundertelange Diskriminierung von Schwarzen, gar noch „strukturelle Diskriminierung“, dann fällt es schwer, einem seit drei Jahren amtierenden Präsidenten den Hauptteil der Verantwortung dafür zuzuschieben.
Was bei dieser mangelnden Tatsachenbasis ins Auge fällt, ist die Dämonisierung. Nicht nur ein Brandstifter, gleich ein ‚Feuerteufel‘, der ja doch vom ‚Teufel‘ kommt, soll der Präsident sein, und er stecke ein ganzes Land in Brand derweil die Armen litten.
Sascha Lobo enthüllt dazu gleich noch ‚Donald Trumps Strategien für den Staatsstreich‘, eine Verschwörungstheorie ohne Evidenz und ohne ein Iota von Plausibilität. Insofern es eine Verschwörungstheorie bezüglich der verbleibenden Weltmacht ist, eine Verschwörungstheorie bezüglich der Kontrolle über die Atomwaffen, grenzt das an das Genre der Verschwörungstheorien, die dunkle Mächte der Übernahme der Weltherrschaft bezichtigen, der Weltverschwörungstheorien und Weltzerstörungstheorien.
Dämonisierung, Weltverschwörung, offensichtlich haltlose Verbindung ungeliebter Personen mit gemeingefährlichen Straftaten wie Brandstiftung, brennende Städte, leidendes Volk: kennen wir das nicht? Doch, wir kennen es. Solche Titelblätter gab es schon einmal, und sie hingen in jedem Dorf im Stürmerkasten:

Der Bösewicht, die brennende Stadt, das leidende Volk, und keinerlei Plausibilität der Anschuldigungen. Farbe hatte Philipp Rupprecht alias Fips damals noch nicht zur Verfügung, aber die Ähnlichkeit der eingesetzten Stilmittel lässt sich kaum übersehen.
Werden Wetten angenommen, was zuerst kommt: Benjamin Netanjahu als Brunnenvergifter oder ein Spruchband „Trump ist unser Unglück“?
Nachtrag: Als ich diesen Artikel verfasst, aber noch nicht veröffentlich hatte, fand ich einen Artikel von Chaim Noll „Vom ‚Sturmgeschütz‘ zum ‚Stürmer‘ “ von vorgestern auf der Achse des Guten, der sich aber nicht auf dieses Titelblatt bezieht. Der Vergleich bot sich also unabhängig voneinander, aber sicher nicht zufällig, an.
Die Info im nachfolgenden Link könnte die Erklärung sein:
https://www.gatesfoundation.org/How-We-Work/Quick-Links/Grants-Database#q/k=spiegel